Sonntag, 2. September 2012

Interview mit Wulf Dorn

So, das ging ja mal schnell! Mitglieder von Unsere Bücherwelt haben Wulf Dorn Fragen gestellt, die ich an den Autor weitergeleitet habe. Nun habe ich heute schon die Mail von Wulf Dorn mit den Antworten bekommen! Vielen Dank, an Wulf Dorn für das Beantworten unsere Fragen!

Viel Spaß wünsche ich den Lesern!

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Die Verfilmung von Trigger ist wohl in Planung. Wird es tatsächlich eine Verfilmung geben?

WD: Bis vor ungefähr einem Jahr hätte ich die Frage mit einem „höchstwahrscheinlich“ beantwortet. Inzwischen ist es so, dass das Projekt wegen Finanzierungsschwierigkeiten auf Eis gelegt wurde. Vorerst, wie es heißt. Tatsächlich scheint es aber so, als traue man dem deutschen Psychothriller noch immer nicht genügend Potential für einen Kinoerfolg zu. Das ist sehr schade, da der Regisseur schon lange in den Startlöchern stand und es auch ein wirklich tolles Drehbuch gab. Aber ich bin dennoch zuversichtlich, dass es irgendwann eine Verfilmung geben wird. Immerhin war „Trigger“ ja auch im Ausland ein großer Erfolg – und auch dort werden tolle Filme gemacht ...

Wird es weitere Fahlenbergthriller geben?

WD: Das ist gut möglich. Fahlenberg ist mir sehr ans Herz gewachsen und ich schaue dort immer wieder mal nach dem Rechten. Sobald ich etwas Neues erfahre, dass es wert ist, erzählt zu werden, werde ich es aufschreiben. Versprochen ;-)


Fahlenberg ist ja im Schwäbischen. Gibt es einen besonderen Bezug auf diese Region?

WD: Für mich ist Fahlenberg eine Parabel. Es ist ein Ort, wie wir ihn alle kennen, und jeder dort hat seine Geheimnisse. Dass ich diese Stadt ausgerechnet im Schwäbischen angesiedelt habe, liegt daran, dass ich selbst seit vielen Jahren in dieser Gegend lebe. Aber im Grunde genommen könnte Fahlenberg überall in Deutschland sein. Das merke ich vor allem bei meinen Lesereisen, wenn ich von Leuten angesprochen werde, die die Waldklinik in ihrer Gegend wiedererkannt zu haben glauben. Es immer wieder spannend zu erfahren, wo sich überall psychiatrische Kliniken mit ähnlicher Bauweise befinden.

Verrennt man sich beim Schreiben solcher Romane nicht selber in der Geschichte?

WD: Nicht, wenn man seine Geschichte von Anfang an kennt. Dafür arbeite ich zuerst ein detailliertes Kapitelexposé aus, ehe ich mit dem Schreiben beginne – wie ein Regisseur, der erst dann mit dem Drehen beginnt, wenn er ein fertiges Drehbuch nebst Storyboard vorliegen hat. Das gibt mir Sicherheit beim Schreiben. Ich habe es auch schon mit reinem Bauchschreiben versucht, aber das hat mich immer wieder in Sackgassen geführt. Seither plane ich meine Route durch die Geschichte so genau wie möglich. So kann ich mich ganz auf die Umgebung konzentrieren und interessante Details am Wegrand entdecken, ohne von der Frage abgelenkt zu werden, wo es denn weitergeht.

Wie lange pro Tag schreibst Du ca.?

WD: Während der Schreibphasen arbeite ich ungefähr sechs bis acht Stunden täglich am Text. An besonders "guten" Tagen, kann es auch mal mehr sein.

Gibt es ein besonderes Ritual, wenn die Schreibphase abgeschlossen ist? Der Whisky danach, oder so?

WD: Ich bekoche meine Frau. Als kleine Entschädigung dafür, dass wir meistens nur sehr wenig Zeit miteinander haben, wenn ich an einem Roman arbeite. Und nach dem Essen gibt es dann den Whisky ;-)

Schreibst du in Zukunft noch Jugendbücher oder war "Mein böses Herz" einmalig?

WD: Die Arbeit mit Doro hat mir sehr viel Spaß gemacht und ich freue mich über die vielen Zuschriften, die ich von meinen jungen Lesern erhalte. Deshalb hätte ich schon große Lust, wieder einen Jugendroman zu schreiben. Zuerst sind jetzt aber meine erwachsenen Leser wieder an der Reihe.

Wo schreibst du am liebsten?

WD: Sobald das Wetter mitspielt, zieht es mich ins Freie. Dann schreibe ich in unserem Garten unter den Obstbäumen. Und während der kalten Jahreszeit igle ich mich in meinem Arbeitszimmer ein. Manchmal lässt es sich nicht umgehen, dass ich auch während Zugfahrten oder im Hotel schreiben muss, aber wenn ich die Wahl habe, ziehe ich ein stilles, vertrautes Umfeld vor.

Wann schreibst du Morgens, Abends oder Nachts?

WD: Solange ich noch in der Klinik gearbeitet hatte, habe ich vorrangig frühmorgens und spätabends bzw. an den Wochenenden geschrieben. Die meisten Teile von „Trigger“ und „Kalte Stille“ sind beispielsweise morgens zwischen fünf und sieben Uhr entstanden, ehe ich dann zur Arbeit fuhr. Inzwischen habe ich das große Glück, hauptberuflich schreiben zu können. Seither halte ich einen geregelten Tagesablauf ein. Ich beginne morgens um acht Uhr, schreibe je nach Tagesform bis zum Nachmittag und dann kümmere ich mich um die Post und mein Büro.

Wo holst du dir deine Ideen?

WD: Diese Frage bekommt ein Autor wohl am häufigsten gestellt und ich muss zugeben, dass ich darauf keine zufriedenstellende Antwort geben kann. Für mich sind Ideen ein Mysterium. Manchmal fallen sie dich scharenweise an, und dann kann es wieder sein, dass du eine gefühlte Ewigkeit nach einem guten Einfall suchen musst. Außerdem ist es meist ja nicht nur eine Idee für sich allein, die zu einer Geschichte führt.
Deshalb habe ich immer mein kleines Notizbuch bei mir, in dem ich alles mögliche festhalte. Kleine Beobachtungen im Alltag, interessante Meldungen in den Medien, oder etwas, das ich von irgendjemandem erzählt bekomme. Oder ich sehe ein interessantes Gesicht auf der Straße und stelle mir vor, welche Geheimnisse diese Person wohl vor ihrem Umfeld verbergen könnte.
Und manchmal genügt auch nur eine einzelne rote Rose, die man morgens vor seinem Hotelzimmer findet, um auf die Idee für einen Roman zu kommen ... So ging es mir bei „Dunkler Wahn“.

Wann kommt das nächste Buch?

WD: Noch arbeite ich daran. Der Erscheinungstermin ist für kommendes Jahr geplant. Bis dahin wird es aber noch ein paar kleine Überraschungen für meine Leser geben. Mehr dazu werde ich demnächst auf meiner Webseite und bei Facebook verraten.

Wer liest dein Buch zuerst?

WD: Meine Frau. Sie ist meine Ratgeberin, Erstlektorin und schärfste Kritikerin. Erst wenn ich sie mit einer Geschichte überzeugen kann, sende ich das Manuskript an den Verlag. Und dann gibt es da noch unsere Katze. Sie ist meist dabei, wenn ich mir die Kapitel beim Korrigieren laut vorlese. Allerdings hat sie mir noch nie verraten, ob ihr gefällt, was sie zu hören bekommt. Aber solange sie im Raum bleibt und schnurrt, deute ich das mal als ein „ist ok“ ;-)

Wie bist du zum Schreiben gekommen?

WD: Ich habe mir schon immer gern Geschichten ausgedacht. Angeblich soll ich bereits als Fünfjähriger angekündigt haben, dass ich eines Tages Bücher schreiben werde. Insofern hat mich das Geschichtenerzählen schon mein ganzes Leben begleitet.

Liest du selbst gerne und wenn ja, welches Buch aktuell?

WD: Diese Frage wird mir sehr oft gestellt und sie verblüfft mich jedes Mal aufs Neue. Bitte versteh mich nicht falsch, aber einen Autor, der selbst nicht gern liest, könnte ich nicht ernst nehmen.
Selbstverständlich lese ich sehr gern, und seien es nur ein paar Seiten vor dem Einschlafen. Es gibt nur selten Tage, an denen ich keine Zeit finde, mich nicht mindestens für eine halbe Stunde in die Welt einer Geschichte entführen zu lassen. Wenn dem doch mal so ist, fehlt mir etwas. Wohingegen ich oft wochenlang aufs Fernsehen verzichten kann, ohne es zu vermissen ;-).
Aktuell lese ich die Bücher von vier neuseeländischen Kollegen, die ich demnächst auf der Frankfurter Buchmesse vorstellen werde. Darauf freue ich mich schon sehr, denn jeder von ihnen ist auf seine Weise brillant.

Was ist dein Lieblingszitat?

WD: „Carpe diem“. So abgedroschen das auch klingen mag, aber jeder Tag ist ein Stück Lebenszeit, das du nur einmal nutzen kannst.

Wie lange brauchst du für ein Buch und wie lange für die Recherche?

WD: Das lässt sich schwer pauschal sagen, da ich manche Ideen jahrelang in meinen Notizbüchern herumtrage und immer wieder mal ein bisschen daran herumwerkle. Aber wenn ich mal ein Thema gezielt in Angriff nehme, dann dauert es ungefähr ein Jahr bis die Erstfassung steht. Wieviel Zeit davon die Recherchen beanspruchen, ist vom Thema abhängig. Einen Großteil recherchiere ich während der Plotphase, die Details dann parallel zum Schreiben. Und dann vergeht noch einmal ein gutes halbes Jahr, bis die Redaktions- und Lektoratsphase abgeschlossen ist und das Buch in den Handel kommt.

Welches war dein erstes Buch, das du gelesen hast und weißt du noch wie alt du warst?

WD: Au weh, das ist schon sehr, sehr lange her und ich kann es wirklich nicht mehr sagen. Ich weiß aber noch, dass ich als Kind die Bücher von Otfried Preußler geliebt habe. Ganz besonders das kleine Gespenst, den kleinen Wassermann und später Krabat.

Kannst du noch unbehelligt einkaufen gehen oder "erkennt" man dich?

WD: Zum Glück kommt es nur sehr selten vor, dass man mich irgendwo „erkennt“. Mir ist wichtig, dass meine Geschichten im Mittelpunkt stehen und nicht ich. Hin und wieder werde ich zwar mal in einer Buchhandlung angesprochen und da ich auf dem Land wohne, wissen hier die meisten, was ich beruflich mache, aber bis jetzt kann ich immer noch ungestört einkaufen.
Andernfalls wäre das der blanke Horror für mich. Wenn ich mir vorstelle, dass ich durch den Supermarkt gehe und die Leute hinter mir tuscheln: „Schau mal, der Dorn kauft Klopapier!“ ... Nein danke, das muss wirklich nicht sein ;-)

Haben deine Charaktere in den Büchern reale Vorbilder?

WD: Nein, meine Figuren sind durch die Bank frei erfunden. Es kommt zwar gelegentlich vor, dass ich beim Schreiben an Freunde oder Bekannte denke, zu denen es charakterliche Ähnlichkeiten gibt, aber bis jetzt hat sich noch keiner von ihnen in einer Figur wiederentdeckt ;-) Die einzigen Ausnahmen waren vier liebe Freunde, denen ich Figuren in „Trigger“ gewidmet hatte, als Dankeschön für ihre langjährige Unterstützung. Aber selbst da gab es nur ansatzweise Ähnlichkeiten.

Gibt es ein Buch von dir, das dein ganz persönlicher Liebling ist?

WD: Puh, das ist irgendwie wie die Frage nach dem Lieblingskind. Die Antwort ist, dass mir jedes meiner Bücher auf seine eigene Weise ans Herz gewachsen ist. „Trigger“ war mein erster Ausflug ins Thrillergenre, „Kalte Stille“ wurde zu einer sehr persönlichen Geschichte, „Dunkler Wahn“ hat eine herrlich abgefahrene Story, und „Mein böses Herz“ liebe ich, weil Doro eine so unglaublich starke Figur ist, dass ich nach kurzer Zeit den Eindruck hatte, sie würde ihre Geschichte selbst erzählen.
Kurz gesagt, sind sie alle meine ganz persönlichen Lieblinge.

Warst du überrascht von deinem Erfolg?

WD: Absolut, und ich bin es auch immer noch. Nicht, dass ich nicht an mich und meine Arbeit geglaubt hätte, aber wenn mir jemand vor fünf Jahren erzählt hätte, dass ich eines Tages vom Schreiben leben könnte und meine Geschichten bis in Südamerika gelesen werden, hätte ich ihn gefragt, ob er mir etwas von dem Zeug abgibt, das er geraucht hat ;-)

Hast du eine/n Lieblingsautor/in?

WD: Es gibt eine ganze Reihe von Autoren, die mir im Lauf meines Leserdaseins ans Herz gewachsen sind. Nur einen von ihnen hervorzuheben, wäre den anderen gegenüber unfair. Grundsätzlich liebe ich es, wenn sich jemand so gut aufs Erzählen versteht, dass ich am Ende des Buches das Gefühl habe, alles selbst miterlebt zu haben. Wer das bei mir schafft, darf in meinem Lieblingsautorenregal wohnen ;-)

Wie viele Bücher hast du selber?

WD: Laut unseren Möbelpackern waren es beim letzten Umzug viel zu viele ;-) 

© Alexandra Hoffmann










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