Montag, 13. April 2015

Geocaching oder "Shit, mir tun die Füße weh!"

Gestern war es endlich wieder soweit" Was für ein wunderschöner, sonniger Tag! Seit einiger Zeit betreiben meine Familie und ich, mal mehr, mal weniger, Geocaching. Wir begeben uns also auf die Suche nach "Schätzen".

So eine Dose, mehr oder minder groß, zu finden ist schon was tolles aber eigentlich gar nicht das Wichtigste bei der Sache. Der Weg ist das Ziel und wir haben schon so viele schöne Orte gesehen, an denen wir ohne das Cachen niemals gewesen wären.

Wir wollten eigentlich um 11 Uhr starten. Ich muss dazu sagen, dass wir Multicaches bevorzugen. Wir lieben es zu rätseln und sind neugierig wo der Cache uns hinführen wird. Ist ja alles kein Problem, sind wir doch mit einem GPS-Gerät ausgestattet und die Koordinaten sind auch schnell eingegeben.
So fuhren wir dann, nachdem wir verschlafen oder vergammelt hatten um 12 Uhr los, ungefähr eine halbe Stunde Fahrtzeit von unserem Zuhause entfernt wollten wir den Cache mit dem schönen Name "Der Weg der Kelten und Römer" angehen.
Hört sich spannend an, nicht? Und was für ein wunderschöner Rundweg! Tja, das war der Plan.....

Ein kurzer Auszug aus dem Gespräch, das ich mit meinem Mann im Auto geführt habe:

Er: Was sagt denn das GPS? Wie weit ist es noch zu dem Parkplatz?
Ich: Ähm...das weiß ich nicht? Ich dachte, du hättest das Navi programmiert.
Er: Nur ganz grob! Du hast ja gesagt, dass der Parkplatz in ( hab ich vergessen ) liegt.
Ich: Ich? Hab ich? Ich habe keine Ahnung...
Er: Klasse und nun? Wie heißt denn der Ort nochmal?
Ich: Ich weiß es nicht mehr, du hast das doch alles ausgedruckt und ich dachte, dass du das Navi programmiert hast. Halte doch mal beim nächsten Parkplatz, dann schaue ich mal mit dem Handy ins Internet.

Schild zum Parkplatz, Mann fährt weiter...

Ich: Da wäre ja jetzt einer gewesen
Er: Auf dem Zettel stehen doch die Koordinaten, geb die doch mal ein.
Ich: Das kann ich nicht, hier wackelt`s und ich hau ständig daneben.
Er: Ja für die Straße kann ich ja auch nix
Ich: Nee, aber ich wollte ja auf`n Parkplatz

Sohn auf dem Rücksitz hört irgendeinen Rap-Song mit Kopfhörer, zieht die Kopfhörer ab "Wo müssen wir denn hin?"

Parkplatz angekommen, Koordinaten eingegeben, GPS stellt sich tot.

Er: Und?
Ich: Hm
Er: Haste eingegeben?
Ich: Das kann ich nicht...
Er: Warum denn jetzt schon wieder, DU wolltest ja auf`n Parkplatz
Ich: Homie ist tot
Er: Ist das richtig kalibriert ( da war ich das erste Mal kurz vorm hochgehen )
Ich: Ja, sicher. Hab ich letztes Jahr gemacht
Er: Mach halt nochmal
Ich: Mach du doch! Da ist die Beschreibung
Er: Nörgelt, flucht, nörgelt
Ich: Boah, du gehst mir auf`n Keks! Dann fahren wir halt wieder Heim!
Er: Wieso geht das denn nicht?
Ich: ICH WEIß ES NICHT!

Sohn immer noch auf`m Rücksitz mit Kopfhörer. Wackelt mit`m Kopf und grinst mich dämlich an, als ich durch die Scheibe schaue. Nimmt den Kophörer ab "Sind wir da?"

Zwischenzeitlich ist das dämliche GPS wieder angesprungen und wir sind heil und doch noch ganz gut auf dem Parkplatz angekommen. Ich will die Koordinaten zum nächsten Ziel eingeben, das wir zu Fuß erreichen sollen. Mann weg - mit Koordinaten! Als ich meinen Sohn fragte, ob er denn weiß wo Papa ist, zeigt der mit dem Finger auf so ein Hinweisschild.

Mann winkt und ruft : Das ist ganz einfach, wir müssen nur den Schildern nach!
Ich: Ich will trotzdem die Koordinaten. ich habe keine Ahnung wo ich hier bin und habe keine Lust mich zu verlaufen!

Hätte ich das nur nicht gesagt, denn das Unheil nahm seinen Lauf.....





Der Rundweg war mit ca. 8 Kilometern angegeben. Ein schöner Spaziergang eigentlich und ich wollte das alles trotz meiner MS schaffen und es ging mir auch gut, so war ich guter Dinge.

Ohne Probleme sind wir von Station zu Station gegangen. An jeder Station erwartete uns ein Rätsel, das mit Zahlen verknüpft war, die an der letzten Station zusammengerechnet werden sollten und uns so zu dem versteckten Cache führen sollten.

Das Wetter war bombastisch, die Aussicht auf unserem Weg phänomenal. Jeder von uns hatte einen Rucksack mit Snacks und Getränk dabei und nach einiger Zeit fing ich sogar an lauthals zu singen. Das Waaaaaaaandern ist des Müüüüüüüüüllers Lust und im Früüüühtau zu Berge wir ziehn ...... das Fallera blieb mir im Hals stecken, denn an der fünften Station von acht hat sich das GPS-Gerät verabschiedet.....

Er: Und? Wie weit bis zur nächsten Station?
Ich: 1999 Km....
Er: ????
Ich: Geht nicht mehr aber ich denke, wir müssen geradeaus. Ich habe vorhin ein Schild gesehen "Hügelgräber" und bin mir sicher, dass der Pfeil geradeaus gezeigt hat.
Er: Nee, schau mal die liegen da drüben irgendwo. Wir müssen unter der Unterführung durch.
Ich: Nein, lass uns geradeaus gehen
Er: Das kann aber nicht sein!
Ich: Ach, mach doch was du willst....

So gingen wir durch die Unterführung und gingen und gingen und gingen und dann....ging es nicht mehr weiter....

Ich: Siehste! Kannst ruhig auch mal auf mich hören!
Kind: Mir tun die Füße weh!
Er: Das kann doch gar nicht sein!
Ich: Und jetzt?
Kind: Wo ist der Parkplatz? Wir gehen wieder zum Auto zurück und fahren nach Hause
Ich: Ich habe keine Ahnung wo der Parkplatz ist. Ich geb mal die Koordinaten zum Parkplatz ein, vielleicht geht das Ding dann wieder
Er: Das kann doch nicht sein ( murmelt vor sich hin )
Ich: Hab jetzt eingegeben und zum Parkplatz sind es auch 1999 Km....

So hatten wir die Idee, die Straße zu suchen und an der Straße entlang weiterzugehen. Da müssen doch irgendwo Schilder sein! Gefunden hatten wir eine sehr stark befahrene Bundesstraße und ich hatte keine Lust mit einem Kind am Straßenrand zu gehen und so bin ich eine Böschung hinuntergelaufen. Da unten war eine Wiese und wenn man diese überquert kommt man wieder in einen Wald und ich habe gesehen, dass auch dort eine Straße war. Ich dachte, dass wir einfach quer gehen, die andere Böschung hinauf und wir wären wieder auf dem Rundweg. Gesagt - getan.  Über die Wiese gelaufen und Böschung hoch - eine Böschung voller Dornen und Stacheldraht....

Oben angekommen hatten wir ein nörgelndes Kind, dass sich an den Dornen verletzt hatte, einen Mann, der immer noch vor sich hinmurmelte, dass das gar nicht sein kann und mich die kurz vorm Explodieren war. Da! Menschen! Echte Menschen! Als wir den Mann fragten, ob er wisse, wo es zu den Hügelgräbern geht, meinte dieser, dass er keine Ahnung habe aber wenn wir den Berg runtergingen, gäbe es dort Hinweisschilder. So gingen wir weiter und nach einem langen Fußmarsch waren wir endlich an dem heiß ersehnten Hügelgrab, mitten im Wald, das mein Mann nur durch Zufall gesehen hatte.




Endlich, endlich hatten wir alle Stationen abgegrast, alle Zahlen aufgeschrieben und nun ging es ans Rechnen. Die errechnet Zahl sollte Koordinaten ergeben, die uns zum Ziel führen und wir könnten endlich den Schatz begutachten, Dinge austauschen und den Schatz mit "Found it" loggen!
Mein Mann hat gerechnet, ich die Koordinaten ins, mittlerweile wieder funktionierende GPS, eingegeben und dieses Gerät erzählt mir, dass es noch 1,7 Km zum Cache wären.

Ich: Das glaube ich nicht
Er: Doch, hab zwei Mal gerechnet und immer kommt dieser Code raus
Ich. Dann haben wir irgendwas übersehen oder falsche Zahlen aufgeschrieben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Cache über einen Kilometer von der letzten Station wegliegt
Er: Ich habe keine Ahnung. Was jetzt?
Ich: Lass uns den Weg weitergehen, der führt zurück zum Parkplatz

So sind wir weitergegangen und haben natürlich nach einem geeigneten Versteck Ausschau gehalten aber mitten im Wald, hohle Bäume ohne Ende, ein GPS-Gerät, das mehr schlecht als recht funktioniert - eigentlich aussichtslos. An einer Bank angekommen, hat mein Mann wieder nachgerechnet und ist auf andere Koordinaten gekommen, doch auch dort haben wir nach einer halbstündigen Suche nichts gefunden.

Schade, nach so einer Anstrengung wäre es schön gewesen, wenn wir mit dem Cache belohnt worden wären aber unsere unfreiwillige Wanderung war trotzdem wunderschön! Wir haben einmal mehr traumhafte Plätzchen gefunden und sind uns einig, dass wir den nächsten Cache finden.Selbst mein Sohn, der nach der schmerzhaften Begegnung mit den Dornen gesagt hat, dass er nie wieder cachen gehen will, hat sich breitschlagen lassen. Wir leisten und ein neues, hoffentlich funktionierendes, GPS-Gerät, das sich mittlerweile schon auf den Weg zu uns befindet und haben schon wieder neue Caches angeschaut, die wir nächstes Wochenende hoffentlich mit "Found it!" loggen können.

Alles in allem war es ein wunderschöner Tag und die Gespräche mit meinem Mann unbezahlbar. Muss immer noch schmunzeln, wenn ich daran denke :)

Hier noch ein paar Impressionen vom "Weg der Kelten und Römer", den ich allerdings kein zweites Mal mehr machen möchte, denn uns allen haben die Füße fürchterlich weh getan und der Weg hatte letztendlich eine Länge von ca. 10 - 12 Kilometern. Bin aber ganz schön stolz auf uns und freue mich aufs nächste Mal!





Kommentare:

  1. Hey :)

    Wie kommt mir das doch so bekannt vor :D :D ... Mein Freund kriegt es auch nie auf die Reihe, sich vorzubereiten, das bleibt meistens bei mir hängen. In der Zwischenzeit hab ich mir angewöhnt, alles selbst zusammenzustellen, was ich brauche, das hilft durchaus, wenn bei ihm mal wieder irgendwas nicht klappt (Fehlender Stift, nicht aufgeladene Akkus und als Highlight: falsch gerechnete Koords). Als Gegenleistung darf er dann meistens die Kletter- oder sonstige Bergearbeit beim Final machen ;).

    Liebe Grüße
    Ascari

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    1. Ich schicke meinen Mann auch immer in die Büscheodernauf Bäume um den Cache letztendlich zu heben!
      Ich denke, er hat mir da nicht wirklich vertraut, was verständlich ist, denn eigentlich habe ich eine Orientierung wie ein Brot :D
      Aber es war schon schön, dass ich auch mal sagen konnte "Siehste! Habich doch gleich gesagt!" :D

      Liebe Grüße
      Alex

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  2. Huhu Alex,

    ja, manchmal gestaltet sich das Cachen als überaus frustgeladene Aktion. So etwas kennen mein Mann und ich auch. Hauptsache ist, ihr hattet einen schönen Tag und rückblickend scheint es ja, trotz aller Streitigkeiten, einer gewesen zu sein. ;-)
    Wir haben gestern auch die Sonnenstrahlen ausgenutzt und ein paar Caches eingesammelt.

    GLG Steffi

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    1. Hallo Stefanie,

      ja, es war ein wunderschöner Tag und an unseren unfreiwilligen Ausflug auf die Böschung werden wir wohl so schnell nicht vergessen. Das ist doch das Wichtigste, wenn wir alle letztendlich doch noch Spaß hatten! :)

      Liebe Grüße
      Alex

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